Kultur- und Geschichtsverein
Frickhofen e. V.

Einteilung archäologischer Epochen

(Zeitangaben beziehen sich auf die Zeit v. Chr.)

Urnenfelderkultur


HaA (1200 - 1000)
HaB (1000 - 800)

bronzezeitliche Kultur in Mitteleuropa, wahrscheinlich verschiedener Ethnien (darunter auch später als Kelten identifizierte Gruppen), mit deutlichen regionalen Unterschieden, Bestattungen in Urnenfeldern als gemeinsames Merkmal


Hallstattzeit


HaC (800 - 650)
HaD (650 - 450)

frühe Eisenzeit (benannt nach dem Fundort Hallstatt im Salzkammergut); aus dieser Zeit stammen Quellen, die im Bereich nördlich der Alpen von keltischen Stämmen sprechen

Latènezeit


LtA (480 - 400)
LtB (400 - 320)
LtC (320 - 150)
LtD (150 - 30/0)

Eisenzeit (benannt nach dem Fundort La Tène in der Schweiz); diese Epoche gilt allgemein als Hochphase der Kelten; in dieser Zeit erreichen sie ihre größte Ausbreitung (von Kleinasien bis zu den britischen Inseln und auf die iberische Halbinsel); während dieser Epoche treten die Kelten historisch in Erscheinung (Invasion auf der italischen Halbinsel und militärische Erfolge gegen Rom); wirtschaftlich bestimmend sind Münzprägungen und ausgedehnter Fernhandel.

Ausstellung: Die Kelten auf der Dornburg und ihre Zeit

Der Kultur- und Geschichtsverein Frickhofen veranstaltete am Sonntag, den 4. August, und am Montag, den 5. August 2019, eine Ausstellung zum Thema: "Die Kelten auf der Dornburg und ihre Zeit" im großen Saal des Pfarrzentrums Frickhofen.

Keltenfürst am Eingang
Keltenfürst begrüßt die Besucher

Die Cousins Joachim Habel und Klaus Habel hatten es sich zur Aufgabe gemacht, mit Bildern, Karten, Texttafeln, Modellen (Keltenhäuser, Rennofen, Höhenprofile), Originalfunden und Nachbildungen für das Publikum vorstellbar zu machen, wie die Kelten in einem Zeitraum von mehreren hundert Jahren vor Christi Geburt auf dem Dornburg-Plateau (höchste Stelle: 395 m ü.NN) lebten. Dazu holten sie sich auch die Unterstützung von anderen Geschichtsvereinen (Wilsenroth, Lahr, Elz, Ellar).

Vitrine mit Depotfund von der Dornburg
Depotfund von der Dornburg

In einer der Vitrinen war der Depotfund vom Südosten der Dornburg zu sehen, Geräte aus Eisen: Sense, Sichel, Hacke, Beil, Pflugschar, Meißel. Außerdem waren Gefäßscherben, rekonstruierte Gefäße und Bronze-Replikate ausgestellt: Zwei Halsringe (Torques), Trensenteil, Gürtelschließe, Pferdchenkamm, Pferdchen als Figur, Triskell-Talisman, Vogelkopf-Fibel, drei Schwerter.

Ausstellungsraum mit Besuchern
Blick in den Ausstellungsraum

Auf vier Stellwänden mit insgesamt 24 Flächen wurden in Wort und Bild folgende Themen abgehandelt: Die Dornburg - Funde und Forschungsgeschichte / Herkunft und Verbreitung der Kelten / Kelten, Gallier, Galater, Gälen - wie sich diese Namen erklären / Hallstatt-Zeit, die ältere Kelten-Zeit / Latène-Zeit, die jüngere Kelten-Zeit, Bauart der keltischen Mauern und Tore / Bauart der Häuser / Vermutete keltische Dörfer rund um die Keltenstadt Dornburg / Ernährung, Ackerbau, Viehzucht und Salzgewinnung / Eisengewinnung, Bronzeguss, Spinnen und Weben, Töpferei, Handwerk und Kunsthandwerk / Handel und Wandel / Die Wagen der Kelten fürTransport, Kampf und Repräsentation / Die keltische Gesellschaft / Druiden und Götter / Keltische Frauen von hohem Status / Was von den Kelten außer den archäologischen Zeugnissen übrig blieb. Mit Letzterem sind gemeint die heute noch gesprochenen keltischen Sprachen wie Bretonisch, Walisisch, Gälisch, die keltischen Ursprünge von Fluss- und Ortsnamen. die keltischen Lehnwörter in unserer Sprache, die Folklore ... Außerdem kann man den Kelten nachspüren auf archäologischen Lehrpfaden, in Museen und Freilichtmuseen.

Vitrine mit Depotfund von der Dornburg
Depotfund von der Dornburg

Zur Verköstigung der Gäste wurde Gulaschsuppe, Kaffee und Kuchen und Kaltgetränke angeboten. Die Besucher waren zahlreich, darunter auch ein großer Anteil Ortsfremde. Der Eintritt war frei.

Folgende Überlegungen gingen der Konzeption dieser Ausstellung voraus:

3D-Modell Dornburg und Umgebung
Dornburg und Umgebung

Allgemein bekannt ist, dass auf der Dornburg in prähistorischen Zeiten, also in den Jahrhunderten vor Christi Geburt, Kelten siedelten. Aber was haben sie hinterlassen? Dem Spaziergänger über das Dornburg-Plateau fallen vielleicht, wenn er sich aufmerksam umsieht, niedrige langgezogene Wälle aus Geröllsteinen und Steinhaufen auf, meist nur schwer erkennbar, da von Buschwerk und Baumbestand verdeckt. Die sogenannte Rödchesmauer, ein heute noch 10 bis 11 Meter hoher Abschnittswall im Nordwesten fällt aber sofort ins Auge, ehemals eine gigantische keltische Verteidigungsmauer. Wanderer und Besucher, die von weiter her kommen, um sich die Stollen des Ewigen Eises anzusehen, suchen die Ruinen der Dornburg vergeblich, weil sie meinen, mittelalterliche Reste vorfinden zu müssen.

3D-Modell Dornburg und Heidenhäuschen
Dornburg und Heidenhäuschen

Die ehemalige Größe der stadtähnlichen befestigten keltischen Siedlung, von Archäologen als Oppidum bezeichnet, betrug 37 Hektar, was darauf hinweist, dass diesem Ort eine herausragende Bedeutung als Handels- und Handwerksplatz zukam und er bestimmt auch als politische Macht wahrgenommen wurde, also einem größeren Gebiet vorstand und ein starkes Bollwerk und einen sicheren Rückzugsort in Kriegszeiten darstellte. Leider ist von der einstigen Fläche der Anlage durch die seit Ende des 19. Jahrhunderts angelegten Basalt-Steinbrüche nur noch knapp die Hälfte vorhanden. Von der ehemals 3400 m langen Umwallung blieben nur noch 1200 m .

Modell eines bei Lahr gefundenen Grubenhauses
Modell eines bei Lahr gefundenen Grubenhauses

Den Einheimischen wie den Fremden soll mit der Ausstellung vor Augen geführt werden, wie man sich die Dornburg zur Zeit ihrer keltischen Besiedlung vorstellen könnte, wie die Häuser aussahen, die Befestigungsmauern konstruiert waren. Darüber hinaus soll aber auch aufgezeigt werden, über welche Handwerkstechniken die Kelten verfügten und welche Kunstwerke sie zu schaffen in der Lage waren (Bronzeguss, Keramik, Schmuck aus Gold, Silber, Bronze, Glas, Bernstein, Koralle). Da bisher keine umfassenden Ausgrabungen auf der Dornburg stattgefunden haben (außer der Grabung Prof. Schoppa 1960), muss man, um die handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten der Kelten aufzuzeigen, auf die Funde und Ergebnisse spektakulärer Ausgrabungen an anderen Orten zurückgreifen (z.B. Hochdorf bei Stuttgart, Glauberg in der Wetterau, Heuneburg an der Donau u. a.). Die Kelten waren auch die Begründer der Eisenzeit in Mitteleuropa 750/700 v. Chr, waren Eisenerzeuger und hervorragende Schmiede, schufen Waffen und bäuerliches Gerät aus dem revolutionären Metall und trieben sogar Handel mit zu diesem Zwecke erzeugten Eisenbarren.